Teilzeit unter Generalverdacht: Ein gefährlicher Angriff auf Arbeitnehmerrechte

Arbeitnehmer (über Pressmaster)
Arbeitnehmer (über Pressmaster)

Was derzeit unter dem Schlagwort Teilzeitbegrenzung diskutiert wird, ist kein harmloser Verwaltungsumbau. Es ist ein grundsätzlicher Angriff auf die Selbstbestimmung von Arbeitnehmern. Die Idee, dass Teilzeit künftig begründet werden muss und nicht mehr – wie bisher – nach sechs Monaten Beschäftigung als selbstverständliche Option zur Verfügung steht, markiert einen politischen Kurswechsel. Weg vom Recht der Beschäftigten, hin zur Rechtfertigungspflicht.

Arbeit bis zur Belastungsgrenze als politisches Ziel

Der Kern des Vorstoßes ist offensichtlich: Mehr Arbeitszeit soll erzwungen werden, nicht ermöglicht. Statt Arbeitsbedingungen zu verbessern, Vereinbarkeit zu stärken oder Produktivität neu zu denken, wird der Druck erhöht. Wer weniger arbeiten will, soll sich erklären. Wer nicht „genug leistet“, gerät unter Verdacht.

Das ist kein modernes Arbeitsmarktverständnis, sondern Arbeitszeitpolitik aus dem letzten Jahrhundert. Sie ignoriert Lebensrealitäten: Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, gesundheitliche Belastungen, mentale Erschöpfung. Teilzeit ist kein Luxus, sondern für viele Menschen die einzige Möglichkeit, Arbeit und Leben überhaupt zu bewältigen.

Umkehr der Beweislast – mit Ansage

Besonders problematisch ist die geplante Logik: Nicht mehr der Arbeitgeber muss darlegen, warum Teilzeit nicht möglich ist, sondern der Arbeitnehmer, warum er sie braucht. Das ist eine Umkehr der Beweislast zulasten der Beschäftigten. Wer seine Gründe offenlegen muss, öffnet die Tür für Bewertung, Kontrolle und Druck.

Damit wird Teilzeit faktisch zu einer Ausnahme erklärt – obwohl sie längst fester Bestandteil moderner Arbeitswelten ist. Die Botschaft ist klar: Wer weniger arbeitet, stört.

Der Staat als Erfüllungsgehilfe wirtschaftlicher Kurzsichtigkeit

Statt strukturelle Probleme anzugehen – Fachkräftemangel, ineffiziente Arbeitsorganisation, fehlende Kinderbetreuung – wird an den Rechten der Beschäftigten gesägt. Der Staat macht sich damit zum Erfüllungsgehilfen kurzfristiger Ausbeutungslogik: Mehr Stunden, gleiche Strukturen, gleiche Bezahlung, höhere Belastung. Das ist weder sozial noch nachhaltig. Es ist bequem – und gefährlich.

Fazit: Teilzeit ist ein Recht, kein Makel

Teilzeit ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von Eigenverantwortung. Wer sie unter Rechtfertigungszwang stellt, greift nicht nur Arbeitszeitmodelle an, sondern die Würde von Arbeit selbst. Eine Politik, die Freiheit einschränkt, um statistisch mehr Stunden zu produzieren, hat den Anspruch verloren, für die Menschen zu handeln.

Nicht Teilzeit ist das Problem – sondern eine Politik, die glaubt, ihre Bürger bis zur Erschöpfung verwerten zu dürfen.

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