Die Ankündigung eines „günstigeren Führerscheins“ durch das Bundesverkehrsministerium im Herbst 2025 hat bundesweit zu erheblicher Verunsicherung geführt. Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 2.400 Fahrschulen zeigt: Seitdem brechen Neuanmeldungen ein, Umsätze sinken deutlich, viele Betriebe geraten wirtschaftlich unter Druck. Das spätere Zurückrudern von Verkehrsminister Patrick Schnieder konnte den Trend nicht stoppen.
Bis heute fehlt ein konkretes Konzept, wie und in welcher Höhe die Führerscheinkosten tatsächlich sinken sollen. Branchenvertreter warnen: Ohne belastbare Zahlen bleibe unklar, ob der Führerschein am Ende günstiger – oder sogar teurer – wird.
Studie: Rückgang hält auch 2026 an
Eine bundesweite Erhebung des „MOVING International Road Safety Association e.V.“ vom Januar belegt, dass die Klarstellung des Ministers keine Entspannung gebracht hat. 84,14 Prozent der befragten Fahrschulen melden seit November 2025 einen Rückgang der Neuanmeldungen gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Einbruch liegt bei 54,20 Prozent.
Besonders stark betroffen sind mehrere Bundesländer: In Bayern berichten 87 Prozent der Fahrschulen von Rückgängen, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen jeweils 86 Prozent, in Rheinland-Pfalz 88 Prozent, in Schleswig-Holstein 91 Prozent und in Hamburg sogar 92 Prozent. Die Ergebnisse zeigen: Es handelt sich um eine flächendeckende Marktverunsicherung, nicht um ein regionales Phänomen.
Städte und Land gleichermaßen betroffen
Der Rückgang betrifft alle Siedlungsstrukturen. In Großstädten melden 90 Prozent der Fahrschulen Einbußen von durchschnittlich 58 Prozent. Mittelstädte verzeichnen bei 84,49 Prozent der Betriebe einen Rückgang von rund 54 Prozent, Kleinstädte bei 81 Prozent etwa 52 Prozent. Auch im ländlichen Raum berichten 80 Prozent der Fahrschulen von durchschnittlich 52 Prozent weniger Neuanmeldungen.
Reformankündigung als Hauptursache
Auf die Frage nach den Gründen nennen 91,85 Prozent der Fahrschulen ausdrücklich die angekündigten Reformen zur Senkung der Führerscheinkosten als Auslöser. Damit sieht die Branche den sogenannten „Schnieder-Effekt“ als zentralen Faktor der aktuellen Krise.
Die Folgen sind bereits deutlich: 93,99 Prozent der Betriebe melden Umsatzeinbußen, 42,42 Prozent Liquiditätsengpässe, 37,56 Prozent Personalabbau. 64,48 Prozent verschieben oder streichen Investitionen, 65,87 Prozent berichten von massiver Planungsunsicherheit. In vielen Rückmeldungen ist von Kurzarbeit, Existenzängsten und drohenden Schließungen die Rede.
Zweifel am Kostensenkungsversprechen
Branchenvertreter kritisieren insbesondere den Vorschlag, den Präsenz-Theorieunterricht durch digitale Formate zu ersetzen. Digitale Theorie allein könne das Lernen weniger nachhaltig machen, was zu mehr praktischen Fahrstunden führe – dem größten Kostentreiber der Ausbildung. Rund 50 Prozent der Gesamtkosten einer Fahrschule entfallen auf Personal. Hinzu kommen steigende Ausgaben für Fahrzeuge und Betrieb. Einsparungen durch weniger Theorieunterricht könnten dadurch überkompensiert werden.
Gefahr eines Ausbildungsstaus
Sollte der Einbruch anhalten, droht ein erheblicher Ausbildungsstau. Bei jährlich rund einer Million praktischer Prüfungen der Klasse B könnten sich bis 2027 etwa 500.000 nicht absolvierte Prüfungen ansammeln. Diese müssten später zusätzlich nachgeholt werden. Die Branche warnt vor Kapazitätsengpässen – mit der Folge steigender Preise statt Entlastung.
Verkehrssicherheit im Fokus
Zudem sehen Fachleute Risiken für die Verkehrssicherheit. Der Präsenzunterricht ermögliche Interaktion und nachhaltiges Lernen. Auswertungen der „TÜV DEKRA arge tp 21 GmbH“ zeigen, dass häufige Durchfallgründe in der praktischen Prüfung Vorfahrt, Verkehrsverhalten und Situationsbewertung sind – Kompetenzen, die im Präsenzunterricht vermittelt werden. Eine Absenkung der Standards könnte langfristig die Sicherheit beeinträchtigen.


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