Faktencheck: Dieser Tweet von Karl Lauterbach zu Demos für die Ukraine ist gefälscht

Twitter - Bild: Tim Reckmann/CC-BY-NC 3.0
Twitter - Bild: Tim Reckmann/CC-BY-NC 3.0

Hunderte User haben Anfang März 2022 einen Screenshot eines angeblichen Tweets von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf Facebook geteilt. Er soll darin gefordert haben, die Masken- und Abstandspflicht bei pro-ukrainischen Demonstrationen als Akt der Solidarität auszusetzen. Das gelte auch für „Impfgegner“, wenn sich diese auf die „richtige Seite“ stellten. Der Tweet ist allerdings eine Fälschung.

Hunderte Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer haben den angeblichen Lauterbach-Tweet seit dem 3. März 2022 geteilt (hierhierhier).

Die Behauptung

Das Bild zeigt einen Screenshot eines angeblichen Tweets von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Darin heißt es: „Es ist ein Akt der politischen Solidarität, die Masken- und Abstandspflicht bei Demonstrationen gegen Russland und Putin aufzuheben. Auch Impfgegner dürfen ausnahmsweise dieses Privileg genießen, wenn sie sich für die richtige Seite beim Ukrainekonflikt entscheiden.“

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 04.03.2022

Gefälschter Tweet

Am angeblichen Tweet fällt auf, dass sich die Schrift im verbreiteten Screenshot von der üblichen Schrift in Tweets unterscheidet. Die Schrift im Screenshot ist dicker und eine andere als die üblicherweise von Twitter benutzte, was beim Buchstaben „g“ besonders auffällt. Auch gibt es unten links im Bild Bearbeitungsreste, die auf allen Screenshots auf Facebook zu sehen sind (rot hervorgehoben). Darüber hinaus ist der Text etwas nach rechts eingerückt (siehe rotgestrichelte Linien zum Vergleich), was für Twitter unüblich ist.

Vergleich der Behauptung auf Facebook (links) und einem echten Tweet (rechts): 04.03.2022

AFP hat am 4. März beim Gesundheitsministerium nach der Echtheit des Lauterbach-Zitats gefragt. Sprecher Hanno Kautz schrieb in einer E-Mail an AFP: „Der Tweet ist ein Fake.“

Karl Lauterbach führt einen offiziellen Twitter-Account, der mit einem blauen Haken verifiziert ist. Unter Lauterbachs Tweets ist eine solche Äußerung allerdings nicht zu finden. Auch in archivierten Versionen des Accounts (hierhier) steht keine Äußerung zu Corona-Lockerungen für Demos gegen Russland.

AFP hat auch mit Google und Yandex nach dem Wortlaut des angeblichen Lauterbach-Tweets gesucht und keine relevanten Treffer gefunden. Außerdem fand AFP keinen solchen Tweet im Google-Cache, wo manchmal gelöschte Tweets noch angezeigt werden.

Ende Februar demonstrierten Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt gegen den Krieg in der Ukraine. In Berlin nahmen laut Berliner Polizei bei einer Demo am 27. Februar mehr als 100.000 Menschen teil (hierhier). Unter den Demonstrierenden war auch Karl Lauterbach, der von dem Protest ein Foto mit seiner Haltung gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin twitterte.

Maskenpflicht bei Veranstaltungen im Freien

Noch am 16. Februar 2022 äußerte sich Karl Lauterbach laut Medienberichten gegen eine komplette Aufhebung der Corona-Schutzmaßnahmen. Er sagte: „Wir müssen das Infektionsschutzgesetz so formulieren, dass der Basisschutz gewährleistet bleibt und bei Bedarf ausgedehnt werden kann.“ Zum sogenannten Basisschutz gehört die Maskenpflicht in Innenräumen.

Bund und Länder haben am 16. Februar einen Beschluss zur stufenweise Lockerung der Corona-Maßnahmen getroffen. Der Plan sieht bei Großveranstaltungen ab dem 4. März 2022 zumindest medizinische Masken vor. Ausnahmen für politische Haltungen sind dort nicht angeführt.

Fazit

Die Behauptung, der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach habe auf Twitter Maßnahmenlockerungen ausschließlich für ukrainefreundliche Demonstrationen gefordert, ist falsch. Der Tweet ist gefälscht.

Copyright

Anzeige

Anzeige

Über Redaktion 13204 Artikel
Hier berichtet und kuratiert die Redaktion von FLASH

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Jeder Kommentar ist willkommen. Bitte beachte: Um die missbräuchliche Nutzung der Kommentarfunktion (Hassrede, Hetze, Spam, Links u. Ä.) zu verhindern, musst du deinen Klarnamen (bestehend aus Vor- und Nachname) und deine E-Mail-Adresse (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht) angeben. Sobald dein Kommentar geprüft wurde und dieser nicht gegen die Netiquette verstößt, wird er durch die Redaktion freigeschalten und veröffentlicht.