Grünen-Experte Dahmen skeptisch gegenüber kürzerer Corona-Isolation

Janosch Dahmen - Bild: Grüne im Bundestag/S. Kaminski
Janosch Dahmen - Bild: Grüne im Bundestag/S. Kaminski

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen blickt skeptisch auf Überlegungen, die Isolationsvorgaben für Corona-Infizierte zu lockern. „In der derzeitigen Pandemielage ist die Spannbreite von Infektionsverläufen äußerst hoch“, sagte er am Donnerstag dem „Handelsblatt“. Es gebe junge Geimpfte, deren positive Befunde symptomlos abklingen würden, aber auch „viele symptomatische Infektionen, die deutlich länger als fünf Tage dauern, und es gibt weiterhin eine relevante Zahl schwerer oder chronischer Verläufe“.

Im Falle einer Infektion sei „auch weiterhin eine konsequente Isolation und Erholung erforderlich, um schnell und vollständig gesund zu werden und keine weiteren Menschen anzustecken“, betonte Dahmen. Eine Beendigung der Isolation sei „erst nach vollständigem Abklingen der Symptome und einem negativen Test verantwortungsvoll möglich“.

Medienberichten zufolge hatten am Mittwoch die Bundesländer einen Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts (RKI) erhalten, in dem vorgesehen ist, sowohl die Isolation für Corona-Infizierte als auch die Quarantäne für Kontaktpersonen von zehn auf fünf Tage zu verkürzen. Eine formelle Anordnung durch das Gesundheitsamt, die häufig jetzt schon nicht mehr erfolgt, soll ganz entfallen, wie unter anderem das „Handelsblatt“ berichtete.

Stattdessen würde demnach empfohlen, freiwillig Kontakte zu reduzieren und nach fünf Tagen wiederholt Tests, auch Selbsttests, zu machen. Die Isolation könne nur beendet werden, wenn der oder die Betroffene zuvor 48 Stunden keine Symptome hatte und wenn ein negativer Corona-Test vorliegt.

Anders als bisher müssten nach der vorgeschlagenen Neuregelung allerdings grundsätzlich alle Menschen bei Kontakt mit Infizierten in Quarantäne. Aktuell sind insbesondere Menschen nach der Booster-Impfung sowie Menschen mit zwei Impfungen plus Genesung von der Vorgabe befreit. Auch regelmäßig getestete Schul- und Kitakinder sind unter bestimmten Umständen befreit. Künftig könnte es Ausnahmen nur noch für medizinisches Personal geben.

Kritisch dazu äußerte sich der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge (CDU). „Es ist fragwürdig, wenn nun die Vorteile für geimpfte oder genesene Kontaktpersonen entfallen sollen“, sagte er dem „Handelsblatt“. „Bislang galt für sie in vielen Fällen eine Befreiung von der Quarantäne, weil das Risiko in solchen Konstellationen als gering galt.“ An dieser Einschätzung dürfte sich nichts geändert haben.

Als „sinnvoll“ stufte Sorge die mögliche Verkürzung von Quarantäne und Isolation auf fünf Tage ein. Es sei richtig, stärker auf die Eigenverantwortung der Menschen zu setzen.

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