Wildunfälle im Straßenverkehr: Ein unterschätztes Risiko

Reh auf einem landwirtschaftlichen Feld (über andreaskrappweis)
Reh auf einem landwirtschaftlichen Feld (über andreaskrappweis)

Jährlich ereignen sich in Deutschland mehr als 250.000 Wildunfälle – ein Phänomen, das oft unterschätzt wird. Besonders zum Frühjahr, wenn sich der Berufsverkehr mit der Hauptaktivzeit der Wildtiere in der Dämmerung überschneidet, steigt das Risiko erheblich. Der „ACV Automobil-Club Verkehr“ warnt daher frühzeitig vor den Gefahren und gibt entscheidende Handlungstipps, um sowohl Mensch als auch Tier zu schützen.

Der „Elefanten-Faktor“: Gewaltige Wucht bei Wildunfällen

Bereits ein Aufprall eines Rothirsches bei 60 km/h entfaltet die Kraft eines Fünf-Tonnen-Fahrzeugs – vergleichbar mit dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten. Selbst kleinere Tiere wie Rehe können bei solchen Geschwindigkeiten Schäden verursachen, die einem Frontalcrash mit einem Motorrad ähneln. Auch Wildschweine besitzen durch ihre kompakte Masse das Potenzial, Fahrzeuge ins Schleudern zu bringen. Diese enorme Wucht verdeutlicht, warum Autofahrer in der Wildwechsel-Hochsaison besonders vorsichtig sein müssen.

Wildtiere folgen festen Routen

Wildtiere bewegen sich instinktiv entlang vertrauter Pfade – auch wenn diese durch Straßen verlaufen. Entsprechend sind gefährdete Straßenabschnitte häufig mit Wildwechsel-Warnschildern versehen. Neu gebaute Straßen, die durch Wälder oder offene Felder führen, stellen ein besonderes Risiko dar, da die Tiere an ihren angestammten Wegen festhalten. Zudem gilt: Rehe und Wildschweine bewegen sich selten allein. Wer ein Tier in Straßennähe erblickt, sollte stets mit weiteren rechnen.

Dämmerung – die gefährlichste Zeit

Die meisten Wildunfälle ereignen sich in den frühen Morgen- sowie späten Abendstunden, meist zwischen 6 und 8 Uhr und zwischen 17 und 20 Uhr. Besonders im Frühjahr und Herbst verschieben sich durch veränderte Lichtverhältnisse die Lebensrhythmen der Tiere, was die Unfallwahrscheinlichkeit erhöht. Nach der Zeitumstellung am 30. März sind Autofahrer verstärkt in der Dämmerung unterwegs – genau dann, wenn Wildtiere besonders aktiv sind.

Richtig reagieren – so rettest Du Leben und vermeidest Folgeschäden

Experten des „ACV“ raten zu einem besonnenen und gezielten Handeln, wenn Wildtiere auf die Straße drängen:

  • Licht einsetzen: In übersichtlichen Bereichen kann der Einsatz von Fernlicht helfen, Tiere frühzeitig zu erkennen. In dicht bewaldeten Regionen ist jedoch Abblendlicht zu bevorzugen, um Wildtiere nicht zu irritieren. Auch die Lichthupe kann gezielt eingesetzt werden, um Tiere zum Rückzug zu bewegen.
  • Ausweichmanöver vermeiden: Ein plötzliches Ausweichen birgt das Risiko schwerwiegender Folgeunfälle. Stattdessen sollte kontrolliert gebremst und die Spur gehalten werden, um sicher an dem Tier vorbeizukommen.
  • Hupen: Das kurze Betätigen der Hupe kann bereits ausreichen, um Wildtiere abzuschrecken, bevor sie den Straßenverlauf kreuzen.

Verhalten nach einem Wildunfall

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu einem Zusammenstoß mit Wildtieren kommen. In einem solchen Fall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgendermaßen vorzugehen:

  • Sicherung der Unfallstelle: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen und das Warndreieck aufstellen, um nachfolgende Fahrzeuge zu warnen.
  • Erste Hilfe und Notruf: Bei Personenschäden ist umgehend Erste Hilfe zu leisten und der Notruf 112 zu verständigen.
  • Meldung an Polizei oder Jagdpächter: Auch wenn das Tier flüchtet, sollte der Unfall gemeldet werden, da eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung erforderlich ist.
  • Kontakt mit verletzten Tieren vermeiden: Verletzte Wildtiere können unberechenbar sein und zudem Krankheitserreger übertragen. Es ist ratsam, Abstand zu halten und professionelle Hilfe abzuwarten.

Versicherungsschutz bei Wildunfällen

Die Teilkaskoversicherung deckt in der Regel Schäden durch Haarwild wie Rehe, Wildschweine und Hirsche ab. Einige Policen erweitern den Schutz auch auf andere Tiere wie Füchse, Marder oder Vögel. Nach einem Wildunfall sollten Betroffene den Schaden umgehend dokumentieren und der Versicherung melden – Fotos der Unfallstelle und Zeugenaussagen können hier hilfreich sein.

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