Faktencheck: Dieses von „Bild“ gezeigte Foto stammt tatsächlich aktuell aus der Ukraine

Berichterstattung rund um den Krieg in der Ukraine
Berichterstattung rund um den Krieg in der Ukraine

Hunderttausende User haben Ende Februar eine Collage in sozialen Netzwerken geteilt, die eine Aufnahme eines zerstörten Gebäudes aus einem „Bild“-Artikel über die aktuellen Kämpfe in der Ukraine zeigt. Das Foto soll angeblich die Folgen einer Gasexplosion im Jahr 2018 in Magnitogorsk in Russland zeigen, nicht den Krieg in der Ukraine. Das Bild stammt allerdings wirklich aus dem aktuellen Konflikt in der Ukraine.

Facebook-Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung seit dem 25. Februar 2022 geteilt (hierhierhier). Auf Telegram erreichte die Behauptung Hunderttausende, auf Twitter Hunderte. Sie kursiert auch auf Niederländisch und Französisch.

Die Behauptung

„#Bild fälscht Berichterstattung mit Bildern einer Gasexplosion aus dem Jahr 2018“, heißt es in einem Facebook-Posting. Dazu zeigt die Nutzerin das Titelbild eines „Bild“-Artikels, worauf ein zerstörtes Gebäude zu sehen ist. Dem Posting zufolge soll die Aufnahme tatsächlich aber ein durch eine Gasexplosion zerstörtes Haus im russischen Magnitogorsk im Jahr 2018 zeigen.

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 28.02.2022

Zum Ukraine-Konflikt kursieren derzeit zahlreiche Bilder, die aus ihrem Kontext gerissen wurden. AFP zeigte etwa, dass es sich bei angeblichen russischen Militärflugzeugen über der Ukraine, genauso wie bei dem Bild eines angeblichen Luftangriffs um alte Aufnahmen handelte. Ein Foto von betenden Menschen in Charkiw ist genauso wie ein Video über angeblich in der Ukraine gelandeten Fallschirmtruppen ebenfalls alt. Auch die Behauptung über den angeblich falschen „Bild“-Bericht gehört in diese Reihe.

Nachdem sich der Konflikt um die Ukraine schon länger zugespitzt hatte, begannen russische Truppen am Morgen des 24. Februar 2022 mit dem Angriff auf die Ukraine. Dabei wurden auch Wohngebiete beschossen. Hunderte Zivilistinnen und Zivilisten starbenHunderttausende sind auf der Flucht.https://www.youtube.com/embed/HNO0bImEU1s

Bild-Zeitung zeigt Foto im korrekten Kontext

Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte am 25. Februar tatsächlich einen Bericht über ein zerstörtes Wohnhaus in der Ukraine. Als Fotoquelle gibt „Bild“ Twitter und die türkische Nachrichtenagentur Anadolu an. Das Foto des Hauses stammt aus einem auf Twitter veröffentlichten Video vom 24. Februar 2022. Zum Foto der daneben abgebildeten Frau veröffentlichte Anadolu bereits einen Bericht, der den aktuellen Ursprung in der Ukraine bestätigt.

Am 24. Februar haben Bomben ein Wohnhaus in der ostukrainischen Stadt Tschugujew nahe Charkiw getroffen. Auch AFP veröffentlichte am selben Tag Aufnahmen des zerstörten Gebäudes. AFP-Journalist Kadir Demir war am 24. Februar 2022 vor Ort und filmte das Gebäude aus mehreren Perspektiven. AFP berichtete, dass das Gebäude bei einem russischen Angriff am Morgen beschossen und schwer beschädigt wurde. Das AFP-Video zeigt die Folgen des Bombardements.https://www.youtube.com/embed/9buusm-FLSg

Ein Vergleich der AFP-Aufnahmen (rechts) mit dem aktuell als „Fälschung“ beschriebenen Foto (links) zeigt, dass es sich um dasselbe Ereignis handelt. Details wie aus den Fenstern hängende Textilien, ein Baumstamm und ein grüner Pfeiler stimmen überein.

Vergleich des Fotos aus dem „Bild“-Artikel (links) und eines Screenshots aus dem AFP-Video (rechts)

Auch die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete mit einem übereinstimmenden Video über das durch russische Raketen zerstörte Gebäude.

AFP-Journalist Kadir Demir bestätigte, dass seine Aufnahmen des Wohnhauses in Tschugujew in der Nähe des dortigen Militärflughafens entstanden, der bombardiert wurde.

Die Facebook-Postings behaupten zwar, dass die „Bild“-Zeitung ein altes Foto gezeigt habe, Belege für die frühere Existenz des Bildes liefern die Postings jedoch nicht. Eine Rückwärtssuche nach dem Bild des zerstörten Gebäudes aus dem Artikel der „Bild“-Zeitung ergab lediglich relevante Treffer ab dem 24. Februar 2022. Ältere Versionen des Fotos konnte AFP nicht finden.

Auf AFP-Anfrage schrieb „Bild“-Sprecher Christian Senft am 28. Februar 2022 in einer E-Mail, dass das Foto im korrekten Kontext gezeigt wurde.

Gasexplosion in Magnitogorsk

Das Haus der Gasexplosion in Magnitogorsk im Jahr 2018 sah hingegen anders aus. Laut Medienberichten (hierhier) kam es in dem russischen Ort in der Nacht zum 31. Dezember 2018 zu einer Gasexplosion in einem Wohnblock.

„Bild“ hat die beiden Ereignisse aber nicht vermischt, wie die Postings behaupten. Die Aufnahmen aus Magnitogorsk unterscheiden sich von denen der „Bild“, mit denen sie über den Angriff in der Ukraine berichtete. Das Gebäude in Magnitogorsk steht nicht frei und ist auch höher als das in der Ukraine.

Screenshot eines Fotos aus dem Spiegel-Artikel über die Gasexplosion in Magnitogorsk im Jahr 2018: 02.03.2022

Korrektur falsch verwendeter Aufnahmen

Die Behauptung vom angeblichen Fehler der „Bild“ steht in einer breiteren Erzählung von vermeintlichen Fälschungen westlicher Medien in der Ukraine-Berichterstattung. Der „Bild“-Zeitung unterliefen zwar tatsächlich Fehler, sie entschuldigte sich aber und hat die falsch verwendeten Aufnahmen nach eigenen Angaben korrigiert beziehungsweise gelöscht. Das Foto des aktuell auf Facebook verbreiteten zerstörten Gebäudes hat „Bild“ allerdings im korrekten Kontext gezeigt.

Fazit

Die Behauptung, die „Bild“ habe ein Foto eines vermeintlich bereits 2018 zerstörten Wohngebäudes als ein aktuelles Bild aus der Ukraine ausgegeben, ist falsch. Das Foto stammt aus der Ukraine und zeigt ein Gebäude, das bei einem russischen Luftangriff Ende Februar 2022 zerstört wurde.

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