Anke Rehlinger: Der saarländischen Meisterin im Kugelstoßen ist ein neuer großer Wurf gelungen

Anke Rehlinger - Bild: Staatskanzlei/Dietze/CC BY-NC-ND 2.0
Anke Rehlinger - Bild: Staatskanzlei/Dietze/CC BY-NC-ND 2.0

Mit Spitzenleistungen kennt Anke Rehlinger (SPD) sich aus – schließlich war sie einst eine der besten Leichtathletinnen des Saarlands und hält seit 1996 den Landesrekord im Kugelstoßen. Nun gelang der 46-Jährigen ein neuer großer Wurf: Der saarländische Landtag wählte sie am Montag rund vier Wochen nach der Landtagswahl und dem überragenden Ergebnis für die SPD zur neuen Ministerpräsidentin.

Als Spitzenkandidatin hob die 46-Jährige die SPD am 27. März auf 43,5 Prozent – ein Ergebnis, das noch im Herbst keiner für möglich gehalten hatte. Einen Koalitionspartner braucht sie künftig nicht, sie kann im Landtag mit einer absoluten Mehrheit regieren. Eine solche gab es in Deutschland zuletzt bei der Wahl in Hamburg von 2015.

Folgt man den Demoskopen, könnte man sagen: Das Saarland hat vor allem Rehlinger gewählt. Denn die bisherige Wirtschaftsministerin hat es in jahrelanger Arbeit geschafft, bei den Popularitätswerten den jungen und bisherigen Ministerpräsidenten Tobias Hans von der CDU weit hinter sich zu lassen.

Ihre hohe Popularität geht offenbar auch über Parteigrenzen hinaus: Rehlinger erhielt bei der Abstimmung am Montag drei Stimmen mehr, als die SPD-Fraktion überhaupt Sitze hat. Damit wählten sie auch drei Abgeordnete der beiden anderen im Landtag vertretenen Fraktionen von CDU oder AfD.

„Es ist gut für einen erfolgreichen Wahlkampf, dass man vorher mal Leistungssport gemacht hat“, sagte Rehlinger kurz vor der Wahl in Anspielung auf ihre früheren sportlichen Erfolge. Einer Nachwahlbefragung der ARD zufolge überholte Rehlinger ihren politischen Gegenkandidaten Tobias Hans in allen Disziplinen: Die Wähler gaben ihr die besseren Werte bei Führungsstärke, Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Sympathie.

Nach ihrem zweiten Anlauf bei einer Landtagswahl gelang der SPD-Politikerin nun die Übernahme des höchsten Regierungsamts im Saarland. Die Sozialdemokraten zogen damit erstmals seit der Wahlniederlage von Reinhard Klimmt im Jahr 1999 wieder in die Staatskanzlei ein.

Dabei sah es lange gar nicht gut für Rehlinger und die SPD aus – bis zur Bundestagswahl im September, bei der die SPD der Union nach 16-jähriger Kanzlerschaft die Macht abrang. Doch wenig später sagten Umfragen auch für das Saarland erstmals seit Jahren eine Wechselstimmung voraus.

Die 46-jährige Rehlinger stand seit 2014 an der Spitze des Landesministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr. Zudem war sie zuletzt stellvertretende Ministerpräsidentin in der schwarz-roten Landesregierung. Die Ämter hatte sie von ihrem Parteikollegen Heiko Maas übernommen, der in die Bundespolitik wechselte. 2017 trat Rehlinger zum ersten Mal als SPD-Spitzenkandidatin an, damals noch gegen CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Spannend wird sein, ob Rehlinger nach ihrem Triumph künftig auch in der Bundespolitik stärker mitspielt. Seit Ende 2019 ist sie bereits stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende. Die SPD-Spitze in Berlin ist ihr extrem dankbar: Mit dem Sieg an der Saar konnte die SPD beweisen, dass ihr Sieg bei der Bundestagswahl keine Eintagsfliege war.

Bereits vor dem von der Corona-Pandemie geprägten Wahlkampf stellte Rehlinger unter Beweis, dass sie offen und zugewandt auf Menschen zugehen kann. Auch eine Infektion mit dem Coronavirus im März bremste sie im Wahlkampf nicht aus.

Die sportbegeisterte Rehlinger studierte Jura in Saarbrücken und begann, sich politisch zu engagieren. Seit 1998 gehört sie der SPD an. Sie war stellvertretende Juso-Vorsitzende und ist seit 2018 Landesvorsitzende der SPD.

Im Landtag sitzt Rehlinger bereits seit 2004. Nach Bildung der schwarz-roten Landesregierung wurde die Mutter eines Sohns im Mai 2012 zunächst Ministerin für Justiz sowie für Umwelt und Verbraucherschutz, bevor sie 2014 zur Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin aufstieg. Im Januar 2021 wurde die Trennung von ihrem Mann bekannt.

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