Daniel Günther: Der Ministerpräsident der zurückhaltenden Töne vom Triumph berührt

Daniel Günther - Bild:Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Daniel Günther - Bild:Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Er tritt immer betont unaufgeregt auf – doch diesmal sind Ministerpräsident Daniel Günther die Emotionen anzumerken. Mit einer erkennbar tiefen Freude reagiert der Sieger der Landtagswahl in Schleswig-Holstein auf den donnernden Applaus seiner CDU-Anhänger. Von der Unterstützung der Wählerinnen und Wähler sei er „berührt, auch persönlich“, sagt er.

Aber der seit 2017 in Kiel regierende Günther wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht schnell wieder fassen und das Wesentliche in den Blick nehmen würde: Es sei „vollkommen klar“, dass er in den kommenden Tagen mit Grünen und FDP über die neue Landesregierung sprechen werde. Es gibt keine Spur Triumph bei dem Mann, der das beste CDU-Ergebnis seit 40 Jahren verantwortet und nun mit nur einem Koalitionspartner regieren kann.

Der 48-jährige Günther kommt mit seiner zurückhaltenden Art gut an in Schleswig-Holstein. Für ihn habe ein „starker Mann“ nichts damit zu tun, „einen auf dicke Hose zu machen“, sagte Günther schon vor einigen Jahren in einem Interview.

Dies heißt allerdings nicht, dass der in Eckernförde wohnende verheiratete Vater zweier Töchter kein Vollprofi wäre. Es sei falsch, ihm mangelnden Durchsetzungswillen zu unterstellen, sagte er jüngst. Aber es helfe in der Politik nichts, „laut herumzuschreien“. Es gehe eben immer darum, „Menschen zu überzeugen“ und „Meinungen zusammenzuführen“.

Günther verbrachte bereits sein ganzes Berufsleben in der CDU, er war Landesgeschäftsführer und sitzt seit 2009 als Abgeordneter im Landtag. Von 2014 bis 2017 war er CDU-Fraktionschef und damit auch Oppositionsführer, bevor er 2017 seinen Amtsvorgänger Torsten Albig von der SPD aus der Kieler Staatskanzlei verdrängte und das Ruder übernahm. Im Jahr zuvor war er auch CDU-Landeschef geworden.

Der Aufstieg ins Ministerpräsidentenamt kam für einige seinerzeit durchaus überraschend. Günther war eher „eingesprungen“, nachdem der damalige CDU-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Ingbert Liebing nur ein knappes halbes Jahr vor der Wahl hingeworfen hatte. Teils galt er auch in seiner Partei eher als Notnagel.

Nach dem erfolgreichen Urnengang von 2017 allerdings arbeitete der studierte Politikwissenschaftler mit seiner moderierenden und eher präsidentiellen Art zielstrebig auf eine neuartige Koalition mit Grünen und FDP hin, die recht problemlos regierte und einen ausgleichenden Umgang pflegte – das war im hohen Norden nicht immer so.

Und diese Grundstimmung hielt sich. Trotz einiger Konflikte in Sachfragen zogen die drei Partner an einem Strang, was sich auch in einem betont fairen Wahlkampf bemerkbar machte. Prinzipielle Trennlinien waren nicht auszumachen. Neben den Grünen sehen etwa auch CDU und FDP in der Energiewende eine fast einmalige Chance für das Bundesland, als Windkraftproduzent zu Wohlstand zu kommen.

Auch gesellschaftspolitisch fand Günther, der gläubiger Katholik ist und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sitzt, seine Positionen. Aus seiner Zeit als Kieler Oppositionsführer ist noch in Erinnerung, dass er vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise einen Antrag für Schweinefleischgerichte in Kantinen vorlegte, was ihm den Vorwurf des Rechtspopulismus einbrachte.

Heute steht Günther für eine liberal-progressivere CDU. Unter anderem machte er sich für die in seiner Partei heftig umstrittene Homoehe stark. Günther trifft damit die Stimmung, er ist derzeit der beliebteste Ministerpräsident Deutschlands. In Schleswig-Holstein sind drei Viertel der Menschen mit ihm zufrieden.

Manche in Berlin stellen sich schon die Frage, ob Günther nicht auch ein Kandidat für mehr wäre – ein erfolgreicher Ministerpräsident mit hohen persönlichen Zustimmungswerten könnte irgendwann auch bei der Suche nach dem nächsten Kanzlerkandidaten der Union genannt werden. Doch in Kiel geht es zunächst um eine andere Frage: Der Wahlsieger muss klug entscheiden, mit wem er die nächste Landesregierung bilden will.

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