Zentralafrikas überraschende Bitcoin-Entscheidung

Bitcoin - die neue digitale Währung?
Bitcoin - die neue digitale Währung?

Es klingt nach einer seltsamen Idee: Die Zentralafrikanische Republik, laut Vereinten Nationen eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt, erlaubt die Kryptowährung Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel. Der Staat ist abhängig von internationaler Hilfe und befindet sich seit neun Jahren im Bürgerkrieg. Da zudem nur etwa jeder zehnte Einwohner Zugang zu Internet oder Strom hat, stellt sich für viele die Frage, was die Regierung mit dem Schritt beabsichtigt.

So wurde der Verdacht laut, dass Bangui auf diese Weise dubiose Transaktionen erleichtern möchte. Die UNO, westliche Staaten und internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO) hatten der Regierung zuletzt vorgeworfen, die Zentralafrikanische Republik Russland und dessen Söldnern von der berüchtigten Wagner-Gruppe ausgeliefert zu haben. Im Tausch für Rohstoffe soll es militärische Hilfe gegen die Rebellen im Land geben.

Moskau leidet seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine unter internationalen Sanktionen. Bangui beklagt sich fortwährend über ein seit 2013 bestehendes UN-Waffenembargo.

Ende April hatte Präsident Faustin Archange Touadéra überraschend verkündet, das Parlament habe ein Gesetz verabschiedet, das die Durchführung aller Transaktionen in Kryptowährung erlaube und Bitcoin neben dem Franc CFA als Referenzwährung einführe. Jegliche Zahlungen mit der Online-Währung, bis hin zu Steuern, sind erlaubt. Bis dahin gab es eine solche Regelung nur im mittelamerikanischen El Salvador.

An wen sich das Gesetz wendet, ist unklar: Von den 5,5 Millionen Einwohnern der Zentralafrikanischen Republik haben laut Weltbank nur 15 Prozent Zugang zu Elektrizität. Selbst in der Hauptstadt Bangui kommt es täglich zu Stromausfällen. Nur zehn Prozent haben überhaupt Zugang zum Internet.

Regierungssprecher Serge Ghislain Djorie versicherte der Nachrichtenagentur AFP: „Wir werden die Bevölkerung aufklären und bald auf Glasfaser umstellen.“ Zudem reiche eine schwache Internetverbindung, um Kryptowährung zu kaufen, fügte er hinzu.

Doch auch Geschäftsleute, die das Geld, das Know-How und die Technologie für die Verwendung von Bitcoin hätten, sind ob des Gesetzes ratlos. „Wir haben keine Infrastruktur, keiner weiß genug, um sich in dieses Abenteuer zu stürzen“, sagte ein Unternehmer aus Bangui, der anonym bleiben will. Es gebe nicht einmal eine Behörde für Internetkriminalität.

Normalerweise wählen Länder, die andere Zahlungsmittel annehmen, eine stabilere Währung als die eigene, beispielsweise den Dollar oder Euro. Der Bitcoin-Kurs unterliegt jedoch extremen Schwankungen.

Laut Ganesh Viswanath-Nastraj von der Warwick Business School spiegeln diese Fluktuationen sich in der Wirtschaft, beim Konsum und im Wohlstand der Privathaushalte wieder, wenn eine Kryptowährung eingeführt wird.

Die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (Cemac) wurde ebenso wie der Rest der Welt von der Entscheidung aus Bangui überrascht. Die Zentralafrikanische Republik kann nicht einmal ihre eigenen Beamten, geschweige denn ihre internationalen Gläubiger bezahlen. Der Wirtschaftsminister hatte erst kürzlich den Zustand der öffentlichen Finanzen als „alarmierend“ bezeichnet.

Experte Thierry Vircoulon vom französischen Institut für Internationale Beziehungen sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Entscheidung sei im Kontext der systematischen Korruption in der Zentralafrikanischen Republik und der Partnerschaft mit Russland verdächtig. „Russlands Suche nach Wegen, die internationalen Finanzaktionen zu umgehen, gebietet Vorsicht“, sagte er.

Die US-Organisation The Sentry erklärte bereits im Oktober 2020, dass Präsident Touadéra sein Land zu einem Hafen für organisierte Kriminalität, Geldwäscher und Schmuggler gemacht habe. Die Organisation nannte in diesem Zusammenhang insbesondere die Gruppe Wagner und „andere russische Netzwerke“.

Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, führte kürzlich jedoch an, dass es „keine stichhaltigen Beweise“ dafür gebe, dass Online-Währungen für die Umgehung von Sanktionen genutzt werden könnten.

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