Wien und der Eurovision Song Contest verbindet eine Geschichte, die fast so alt ist wie der Wettbewerb selbst. 2026 ist die Stadt zum dritten Mal Gastgeber – und jedes Mal hat sie dem Wettbewerb etwas hinterlassen, das über die Show hinausging. Der erste ESC in Wien fand am 8. April 1967 im Großen Festsaal der Wiener Hofburg statt – damals noch unter dem offiziellen Titel „12. Grand Prix de la Chanson“.
Udo Jürgens hatte ein Jahr zuvor in Luxemburg mit „Merci, Chérie“ gewonnen und damit die Veranstaltung nach Österreich geholt.
Der Abend begann mit einer orchestralen Darbietung von „Wiener Blut“ und einer Walzer-Version von „Merci, Chérie“. Die Bühne war für damalige Verhältnisse spektakulär: rotierende Spiegel und eine Treppeneinfahrt in der Mitte sorgten für glamourösen Rahmen – auch im Schwarzweißbild. 17 Länder traten an, Moderatorin Erica Vaal begrüßte das Publikum in mehreren Sprachen und sorgte mit einer zehnminütigen Ansprache auf Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch für einen ungewöhnlich polyglotten Auftakt.
Den Sieg holte Sandie Shaw für das Vereinigte Königreich mit „Puppet on a String“ – mit dem bis dahin größten Vorsprung in der ESC-Geschichte. Shaw trat barfuß auf. Eine Besonderheit des Abends: die Moderatorin verkündete das Vereinigte Königreich bereits vor dem letzten Jury-Votum als Sieger – ein Irrtum, der sich am Ende allerdings nicht auf das Ergebnis auswirkte.
Es war die letzte Ausgabe, die ausschließlich in Schwarzweiß übertragen wurde – ab 1968 sendete der ESC in Farbe.
2015: Conchita, „Building Bridges“ und die Ampelpärchen
48 Jahre nach dem ersten ESC in der österreichischen Millionenstadt kehrte der Wettbewerb 2015 zurück – diesmal in die Wiener Stadthalle, nachdem Conchita Wurst 2014 in Kopenhagen mit „Rise Like a Phoenix“ gewonnen hatte. Das Motto lautete „Building Bridges“.
Erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs moderierten drei Frauen gemeinsam: Arabella Kiesbauer, Mirjam Weichselbraun und Alice Tumler. Conchita Wurst übernahm die Moderation im Green Room.
Der ESC 2015 war in mehrfacher Hinsicht historisch: 40 Länder nahmen teil, 27 davon im Finale – die bis dahin höchste Zahl. Australien gab sein Debüt als Sondergast. 200 Millionen Menschen verfolgten die Sendung weltweit, 120.000 feierten beim Public Viewing am Rathausplatz. Wien verdiente knapp 30 Millionen Euro mit dem Großevent.
Den Sieg holte Måns Zelmerlöw für Schweden mit „Heroes“ – mit 365 Punkten. Russland kam auf 303 Punkte. Zum ersten Mal in der ESC-Geschichte erzielten zwei Länder mehr als 300 Punkte im Finale.
Was von 2015 bis heute in Wien sichtbar geblieben ist: Im Vorfeld des ESC ließ die Stadt an diversen Fußgängerkreuzungen herkömmliche Ampelmännchen gegen hetero- und homosexuelle Paare austauschen. Die Aktion sorgte weltweit für Aufsehen – BBC und New York Times berichteten. Ursprünglich als temporäres Statement geplant, blieben die Ampelpärchen dauerhaft im Stadtbild und wurden in anderen Städten weltweit kopiert.
2026: Das dritte Kapitel
Durch den Sieg von JJ mit „Wasted Love“ beim ESC 2025 in Basel erhielt Österreich erneut das Gastgeberrecht – und Wien setzte sich als Austragungsort durch. Zum zweiten Mal wird die Wiener Stadthalle zur ESC-Hauptbühne. 95.000 Tickets wurden verkauft, Fans aus 75 Ländern reisen an.
Was Wien vom Rest der möglichen Gastgeberstädte unterscheidet, ist die gelebte Kontinuität. Die Stadt hat den ESC nicht nur zweimal ausgerichtet – sie hat ihn beide Male mitgeprägt. 1967 mit dem imperialen Glanz der Hofburg, der dem jungen Wettbewerb Würde verlieh. 2015 mit einem Toleranz-Statement, das buchstäblich auf den Straßen der Stadt stehen blieb. Was 2026 bleibt, wird sich zeigen.


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