Forscher finden überraschend Kabeljau in Zentralarktis

August Linnman from Stockholm, Sweden, a.k.a Alinnman (talk · contribs), CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
August Linnman from Stockholm, Sweden, a.k.a Alinnman (talk · contribs), CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Kabeljau kommt nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern viel weiter nördlich in der Arktis vor als bislang angenommen. Wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Freitag mitteilte, gelang der überraschende Nachweis durch ein Team von Biologen während der großangelegten internationalen Mosaic-Expedition des deutschen Forschungseisbrechers „Polarstern“. Durch ein Loch im Meereis fingen sie im Arktischen Ozean vier große Fische, darunter drei Kabeljaue.

Durch Videoaufnahmen einer Unterwasserkamera wiesen sie laut AWI im sogenannten Amundsenbecken mehr als 500 Kilometer von der nächsten Küste entfernt zudem große Kalmare nach. Der Nachweis des Kabeljaus ist demnach überraschend, weil er eigentlich ein küstennaher Raubfisch ist, der nicht derart weit nördlich in der Arktisregion leben sollte.

Laut Laboranalysen der Wissenschaftler, die ihre Erkenntnisse nun in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten, lebten die in Laichgründen vor Norwegen geborenen Tiere bis zu sechs Jahre lang in Wasser mit arktischen Temperaturen. Sie bevorzugten dabei eine etwas wärmere atlantische Wasserschicht, die bis ins Amundsenbecken hineinreicht und in der die Forscher in mehreren hundert Metern Wassertiefe auch Plankton und zahlreiche kleinere Fische nachwiesen.

Gleichbedeutend mit größeren oder sogar wirtschaftlich nutzbaren Fischbeständen sind die Entdeckungen laut AWI zufolge nicht. Sie liefern aber wertvolle neue Erkenntnisse zur Beschaffenheit des Ökosystems in der Zentralarktis. Selbst wenn der Kabeljau keinen eigenen zentralen arktischen Bestand habe, zeige die Untersuchung, dass er dort überleben könne, erklärte die an der Studie beteiligte Expertin Pauline Snoeijs Leijonmalm von der Universität Stockholm.

Demnach finden einzelne Arten offenbar genügend Nahrung, um dort für längere Zeit überleben zu können. Für die Existenz großer Bestände ist die Kapazität der Region aber zu gering. Nach Angaben des an der Veröffentlichung beteiligten AWI-Wissenschaftlers Hauke Flores könnte dies jedoch erklären, warum sich in der nährstoffarmen Zentralarktis bis zum Nordpol Raubtiere wie Eisbären, Robben oder Walrosse finden.

Bei der Mosaic-Expedition ließ sich die „Polarstern“ in den Jahren 2019 und 2020 gezielt an einer Eisscholle festfrieren und mit dieser  monatelang durch die Arktis treiben. In dieser Zeit diente sie als Forschungsstation für Wissenschaftler aus 20 Nationen. Es war die bisher aufwändigste Arktis-Expedition überhaupt. Das Unternehmen soll Erkenntnisse in bislang nicht bekannter Detailtiefe über die unter anderem für das Verständnis des Klimawandels zentrale Region bringen.

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