Ukraine-Krieg: Kriegsfolgen bis in den Weltraum

Der Traum vom Menschen auf dem Mars
Der Traum vom Menschen auf dem Mars

Russlands Krieg in der Ukraine hat nicht nur auf der Erde Auswirkungen, sondern auch im Weltraum. Denn wegen der Ukraine-Invasion und ihrer Folgen stoppt Russland in der Raumfahrt Kooperationsprojekte mit dem Westen wie die gemeinsamen Experimente mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf der Internationalen Raumstation ISS oder die ExoMars-Mission mit Europa zur Erforschung des Roten Planeten. Die russische Raumfahrtindustrie soll nun verstärkt auf militärische Zwecke ausgerichtet werden.

Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, nahm kein Blatt vor den Mund, als er vergangene Woche Donnerstag ankündigte, dass Russland keine Raketenantriebe mehr an die USA liefere. „Lasst sie auf ihren Besenstielen in den Weltraum fliegen“, polterte er. Seine Behörde werde ihr Programm drastisch „anpassen“, um Militärsatelliten Priorität einzuräumen. Alle Raumschiffe hätten künftig „duale“ Einsatzmöglichkeiten, wobei immer eine davon vom russischen Verteidigungsministerium festgelegt werde.

Wegen der massiven Sanktionen des Westens gegen Russland teilte Roskosmos zudem mit, dass sie die gemeinsamen Experimente mit dem DLR auf der ISS beende. Unmittelbar betroffen davon ist der deutsche Astronaut Matthias Maurer, der derzeit an Bord der Internationalen Raumstation forscht. Zuvor hatte Roskosmos bereits die Zusammenarbeit mit dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana gestoppt, wo bislang auch russische Sojus-Raketen starteten. Etwa hundert russische Ingenieure und Mechaniker wurden abgezogen.

Und auch die russisch-europäische ExoMars-Mission leidet unter dem Ukraine-Krieg. Nachdem der Start des Mars-Rovers „Rosalind Franklin“ zum Roten Planeten vergangenes Jahr bereits wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste, ist es nun nach Angaben der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) „sehr unwahrscheinlich“, dass der Start wie geplant im September stattfindet.

Das nächste Zeitfenster für den Start öffnet sich erst etwa zwei Jahre später. Und wenn die ESA die Mission ohne die russische Rakete und das russische Landemodul durchziehen will, wird es teuer und aufwändig.

„Es ist herzzerreißend für Wissenschaft und Wissenschaftler, die über Jahre Verbindungen aufgebaut und jahrelange Arbeit investiert haben“, sagt die Raumfahrt-Politikexpertin Isabelle Sourbès-Verger vom französischen Wissenschaftszentrum CNRS. Ein Analyst in der europäischen Raumfahrtbranche, der anonym bleiben will, hebt hervor, dass Russland und der Westen bislang in der Raumfahrt voneinander profitierten.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hätten die USA und Europa darauf geachtet, dass auch für Russland ein Platz in der Raumfahrt bleibe, sagt der Branchenkenner. Niemand habe gewollt, dass das Wissen dieser großen Raumfahrt-Nation verloren gehe.

Der Analyst betont, tatsächlich hätten Russlands Erfahrungen mit seiner Raumstation „Mir“ maßgeblich zur Entwicklung der ISS, dem größten Raumfahrt-Kooperationsprojekt zwischen Russland und dem Westen, geführt. Dort leben und forschen nun schon seit vielen Jahren Kosmonauten und Astronauten Seite an Seite.

Russland habe in kommerzieller Hinsicht „alles getan, um den Zugang zum Weltraum zu erleichtern“, sagt der Experte. So habe es die Dienste seiner Sojus-Raketen auf dem internationalen Markt angeboten – und einige Jahre lang war die ISS vollständig davon abhängig.

Aber die politischen Spannungen auf der Erde belasteten über die Jahre auch die Zusammenarbeit im All, insbesondere nach Russlands Annexion der Krim 2014. Nun herrscht in der ganzen Ukraine Krieg und wie sich dieser und die daraus folgenden Sanktionen auf die Raumfahrt auswirken, ist noch nicht absehbar.

ESA-Direktor Josef Aschbacher schrieb kurz nach Kriegsbeginn auf Twitter: „Trotz des gegenwärtigen Konflikts bleibt die Zusammenarbeit in der zivilen Raumfahrt eine Brücke.“ Die Leiterin der bemannten Raumfahrtprogramme der Nasa, Kathy Lueders, erklärte Anfang vergangener Woche, auf der ISS wäre es „sehr schwierig für uns, allein zu operieren“. Und es wäre „ein trauriger Tag für internationale Einsätze, wenn wir nicht weiter friedlich im Weltraum zusammenarbeiten können“.

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