Zwölf Präsidentschaftskandidaten stellen sich in Frankreich zur Wahl

Wahlen in Frankreich
Wahlen in Frankreich

Sie haben alle unzählige Wahlkampftreffen, Interviews, Debatten und schlafarme Nächte hinter sich. Ihre politischen Vorstellungen reichen von sehr weit links bis sehr weit rechts: Acht Männer und vier Frauen treten bei der französischen Präsidentschaftswahl am 10. und 24. April an. Ein Überblick über die Kandidaten:

Emmanuel Macron plant die zweite Amtszeit

Sein Wahlsieg 2017 war in Frankreich ein politischer Donnerschlag. Emmanuel Macrons Wiederwahl gilt seit Wochen als ausgemacht, auch wenn ihm die Rechtspopulistin Marine Le Pen in den Umfragen zuletzt überraschend nah gekommen ist. Der liberale 44-Jährige, der während seiner Amtszeit mit Gelbwesten-Protesten, der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg zu tun hatte, will als Nächstes eine Renten- und eine Schulreform angehen. Der leidenschaftliche EU-Politiker möchte außerdem die europäische Verteidigung voranbringen.

Marine Le Pen hat Aussicht auf die Stichwahl

Wenige Tage vor der Wahl hat sich der volksnahe Wahlkampf zu sozialen Themen von Marine Le Pen bezahlt gemacht. Seit Jahren bemüht sich Le Pen, die lange als rechtsextrem kritisierte Partei ihres Vaters salonfähig zu machen. Heute zieht sie vor allem Globalisierungsverlierer und Geringverdiener an. Sie will die Verfassung ändern, um Ausländern den Zugang zu Jobs und Wohnungen zu erschweren. Einen Teil ihrer radikaleren Wählerschaft hat sie an den Politik-Neuling Eric Zemmour verloren, zu dem auch ihre Nichte und Konkurrentin Marion Maréchal übergelaufen ist. Diese bilden nun eine Wählerreserve für die Stichwahl. Le Pen ist zuletzt wegen ihrer früheren guten Beziehungen zu Russland in die Kritik geraten.

Jean-Luc Mélenchon ist der erfolgreichste Linke

Von den vielen linken Kandidaten ist der 70 Jahre alte Mélenchon der erfolgreichste. Sein populistisches Programm verspricht Volksabstimmungen, die Rente mit 60 und einen höheren Mindestlohn. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs versucht er, das Image des Putin-Verstehers abzustreifen. Deutsche sind für ihn immer noch die „boches“, ein Schimpfwort aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Im Wahlkampf hat er mit 360-Grad-Videoshows und simultanen Wahlkampftreffen mit Hologrammen auf sich aufmerksam gemacht.

Eric Zemmour provoziert mit fremdenfeindlichen Parolen

Er war die Überraschung zu Beginn des Wahlkampfs: Ein Ex-Journalist und Buchautor aus dem rechtsextremen Lager mit einem ausgeprägten Hang zur Provokation. Zeitweise überholte der 63-Jährige sogar Le Pen in den Umfragen, fiel dann aber wieder deurlich zurück. Zemmour schürt Fremdenfeindlichkeit, wo immer er kann. Zu seinen Vorschlägen zählen ein Abschiebeministerium und ein Verbot nichtfranzösischer Namen. Seinen Wahlkampf organisiert seine 28 Jahre alte Lebenspartnerin Sarah Knafo, die Elite-Hochschulen besucht hat und wie er aus einer jüdisch-algerischen Familie stammt.

Valérie Pécresse zieht die ehemalige Volkspartei nach unten

Das einzig Positive an ihrem Wahlkampf sei ihr Corona-Test gewesen, lästerten ihre Gegner. Tatsächlich hatte die konservative Kandidatin mit ihren Wahlkampfveranstaltungen wenig Erfolg und musste dann auch noch kurz vor dem Endspurt in Quarantäne. Die Präsidentin der Pariser Region setzt in ihrem Wahlkampf auf klassische Themen wie innere Sicherheit und Einwanderung. Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy, der bei den Rechten noch Einfluss hat, verzichtete darauf, sie öffentlich zu unterstützen. Neben dem dynamischen Präsidenten blieb sie konturenlos.

Die zersplitterte Linke und weitere Außenseiter

Als besonders großer Reinfall gilt der Wahlkampf der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die die ehemalige Volkspartei PS vertritt. Sie wollte die Nachfolge des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand antreten, rutschte aber auf zwei Prozent ab. Damit steht das Weiterbestehen der Partei in Frage. Der Grünen-Kandidat Yannick Jadot profitierte trotz einer „grünen Welle“ bei den Regionalwahlen nicht von den Sorgen der Franzosen wegen des Klimawandels. Zu den Vertretern des linken Rands zählen der Chef der kommunistischen Partei, Fabien Roussel, der Gewerkschafter Philippe Poutou und die Sprecherin der Arbeiterpartei, Nathalie Arthaud. Von ihnen erreicht wohl niemand die Fünf-Prozent-Schwelle, ebenso wenig wie der rechtsnationalistische Kandidat Nicolas Dupont-Aignan.

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