Studie: Zahl der Mandeloperationen während Corona-Pandemie dauerhaft gesunken

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Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Mandeloperationen in deutschen Krankenhäusern stark und dauerhaft zurückgegangen. Mit bis zu 82 Prozent war die Reduktion während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 besonders hoch, wie das Wissenschaftliche Institut der Krankenkasse AOK (Wido) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Auch danach blieb die Zahl der Operationen um 18 bis 39 Prozent unter dem vorpandemischen Niveau.

Im Schnitt fanden zwischen Januar 2019 und Mitte März 2020 pro Woche 556,1 Mandelentfernungen statt. Im ersten Lockdown zwischen dem 16. März und dem 3. Mai waren Kliniken dazu aufgerufen, planbare Operationen zu verschieben. Dadurch sank der Wert auf 110,7 Eingriffe wöchentlich. Nach dem Lockdown pendelte sich die Zahl der operativen Entfernungen der Mandeln bei 326,0 Fällen pro Woche ein.

Vor allem Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren wurden weniger häufig die Mandeln entfernt als vor der Pandemie. Der Wert sank von 70,5 Operationen pro Woche auf 34,8. Häufigere Notfalleingriffe gab es trotz sinkender Zahlen aber nicht – im Gegenteil.

Zu Notfalleingriffen bei beispielsweise weit fortgeschrittenen Abszessen als Komplikation einer eitrigen Mandelentzündung kam es vor der Pandemie im Schnitt 165,3 Mal in der Woche. Im ersten Lockdown sank die Zahl auf 98,1. Bei Kindern und Jugendlichen halbierte sie sich von 15,0 auf 7,4 Fälle.

2020 ging die Zahl der ambulanten Behandlungen von Halsschmerzen bei AOK-Versicherten im Vergleich zum Vorjahr von 2,97 Millionen auf 1,98 Millionen zurück. Zudem sank auch die Zahl der Halsschmerzbehandlungen mit Antibiotika.

„Die AHA-Regeln während der Pandemie dürften das Auftreten von Mandelentzündungen reduziert haben“, erklärte Studienautor Christian Günster. Ein weiterer Grund für die rückläufigen Behandlungszahlen könne sein, dass „Patienten ihren Behandlungsbedarf niedriger priorisiert haben“.

Nach Wido-Angaben lassen sich seit Jahren immer weniger Menschen an den Mandeln operieren. „Möglicherweise sind im Zuge der Pandemie teilweise auch unnötige Operationen entfallen“, erklärte Günster. Eine vollständige Rückkehr zum vorpandemischen Niveau sei daher „nicht sinnvoll“.

Für die Analyse wurden die Krankenhauseinweisungen aller Patienten in Deutschland zwischen Januar 2019 und September 2021 sowie ambulante Versorgungsdaten von AOK-Versicherten der Jahre 2019 und 2020 ausgewertet.

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