Perfide neue Masche: Telefonbetrug durch Traueranzeigen

Urne mit Weihrauch (über cozmo news)
Urne mit Weihrauch (über cozmo news)

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist für viele Angehörige eine herausfordernde Erfahrung. Neben dem Schmerz können sie insbesondere Überforderung spüren. Denn Aufgaben wie die Organisation einer Beerdigung, die Verwaltung des Nachlasses und zahlreiche Behördengänge lassen wenig Zeit zum Trauern.

Wer sich in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet und mit diversen Pflichten konfrontiert sieht, handelt nicht immer rational. Leider machen sich Trickbetrüger genau diesen Umstand seit einiger Zeit vermehrt zunutze. Sie gehen öffentliche Todesanzeigen durch und kontaktieren gezielt die Hinterbliebenen von verstorbenen Personen.

Dabei nutzen sie verschiedene Vorwände, um an das Geld der Betroffenen zu gelangen. Doch es gibt Möglichkeiten, sich auch in schweren Zeiten zu schützen. 

Wenn echter Kummer falsche Rechnungen verursacht

Im Trauerfall scheint die Zeit still zu stehen und wirklich begreifen lässt sich der Verlust des geliebten Menschen nicht. Da jedoch gerade in den ersten Tagen nach dem Tod schnelles Handeln erforderlich ist, empfiehlt sich eine Checkliste, um den Überblick über die Formalitäten zu behalten.

Diese ist insbesondere deshalb wichtig, da sie auch einem vermeintlichen Trickbetrug vorbeugen kann. Denn eine bekannte Methode von Betrügern besteht darin, gefälschte Abrechnungen von angeblichen Bestattungsunternehmen an die Betroffenen zu versenden. Eine saubere Dokumentation über die tatsächlichen Ausgaben und Beauftragungen kann hier also bereits eine erste Schutzmaßnahme sein.

Besonders dreist ist die Bedrängnis am Telefon. So werden Angehörige kontaktiert und mit gefälschten Rechnungen, etwa für die Veröffentlichung der Todesanzeige, zu einer Zahlung genötigt.

Doch auch als Anwälte oder Mitarbeiter von Krankenhäusern getarnt arbeiten die Gauner mit erfundenen Mahnschreiben, zum Beispiel für die Nachlassverwaltung oder medizinische Leistungen vor dem Tod. Hier ist aufgrund der zunehmenden technischen Möglichkeiten zur Stimmenimitation (sogenannte Deepfakes) besondere Vorsicht geboten.

Bei Unsicherheiten sollten die Telefonate abgebrochen und die zuständigen Ansprechpartner lieber unter der vertrauten Nummer zurückgerufen werden.

Hinterbliebene sind nicht schutzlos: Maßnahmen gegen Telefonbetrug

Auch wenn es sich in dieser Zeit anders anfühlt: Trauernde sind nicht allein und es gibt Möglichkeiten, sich vor entsprechenden Betrugsmaschen zu schützen. Viele Bestatter unterstützen die Angehörigen, indem sie die Kondolenzkorrespondenz übernehmen. So müssen private Daten wie die Adresse oder Telefonnummer nicht in der Todesanzeige veröffentlicht werden.

Auch in einem emotionalen Ausnahmezustand sollten Angehörige immer daran denken, dass Polizei, Krankenhäuser und seriöse Kanzleien niemals auf telefonischem Weg Geld einfordern oder sensible Daten abfragen werden. Telefonate dieser Art sollten daher sofort beendet werden.

Damit betrügerische Anrufe gar nicht erst bei den Betroffenen durchkommen, können Anti-Spam-Apps auf dem Festnetzanschluss oder Handy installiert werden. Diese blockieren Spam-Anrufe bereits im Vorfeld, sodass sich Leidtragende gar nicht erst einer entsprechenden Gefahrensituation aussetzen müssen.

Telefonbetrug macht vor persönlichen Verlusten leider nicht halt und auch wenn es abgedroschen klingen mag, reden hilft. Betroffene müssen sich daher nicht scheuen, bestehende Hilfsangebote zu nutzen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Eine Anlaufstelle kann die Telefonseelsorge sein, die rund um die Uhr unter den Nummern 0800 1110111 sowie 0800 1110222 erreichbar ist und auch anonym kontaktiert werden kann.

Neben Kirchen oder der Diakonie gibt es in vielen Städten auch Trauergruppen und -cafés, in denen sich Hinterbliebene austauschen können. In gemeinsamen Gesprächen können Verständnis und Trost gespendet, aber auch Erfahrungen rund um den Verlust oder versuchte Betrugsmaschen geteilt werden.

Wer also Angst oder Sorgen vor entsprechenden Betrügereien oder vielleicht sogar schon solch eine Situation erlebt hat, muss das nicht allein verarbeiten.

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