Keine reine Männerwelt mehr – der Wandel im Maschinensektor

Mitarbeiter reparieren eine Maschine (über WOSUNA / Shutterstock.com)
Mitarbeiter reparieren eine Maschine (über WOSUNA / Shutterstock.com)

Die Industrie und der Maschinenbau – Sektoren, die seit Langem als traditionell von Männern geprägte Bereiche gelten, stehen an der Schwelle signifikanter Veränderungen. Jahrzehntelang von traditionellen Geschlechterrollen und -verteilungen geprägt, werden die starren Grenzen immer wieder durchbrochen, die Frauen den Zugang zu technischen Berufen und Führungspositionen erschweren.

Statistiken zeichnen ein ermutigendes Bild: Der Frauenanteil in diesen Bereichen wächst. Diese Entwicklung, die besonders zum Internationalen Frauentag am 8. März ins Rampenlicht rückt, unterstreicht die wachsende Anerkennung der Bedeutung von Diversität in der Arbeitswelt. Dennoch gibt es viele Herausforderungen, vor denen Frauen noch häufig stehen.

Neue Perspektiven: Frauen in technischen Berufen

Ein typisch männlich geprägtes Unternehmen ist beispielsweise „Surplex“, ein Industrieauktionshaus für Gebrauchtmaschinen der Metall- und Holzbearbeitung sowie des Baugewerbes. Dies spiegelt sich nicht nur in der Branche, sondern auch in den Berufen wider: Die Projektmanager und Salesmanager, selbst oft mit technischer Ausbildung, sind für die Akquise der Maschinen und die Durchführung einzelner Auktionen zuständig und dienen als direkte Ansprechpartner für die überwiegend männlichen Abgeber. Nicht überraschend also, dass zwei Drittel der Mitarbeitenden männlich sind.

Aber Karin Schneider, Leiter der Personalabteilung bei Surplex, sieht eine positive Veränderung, was den Frauenanteil im Unternehmen angeht. Ein Hauptproblem stellt jedoch die Erfahrung der Bewerberinnen dar. „Der Trend, dass mehr Frauen auch ‚typisch männliche Berufe‘ ergreifen, ist noch relativ jung, sodass die Erfahrungstiefe der meisten weiblichen Bewerberinnen für höhere Positionen leider oft noch nicht ausreichend ist.“

Die Geschäftsführung des Unternehmens besteht aus drei Personen und eine davon ist eine Frau: Ghislaine Duijmelings. „Es ist erwiesen, dass diverse Teams zu besseren Ergebnissen führen. Daher ist es entscheidend, bewusst darauf hinzusteuern. Bei der internen Arbeitsmobilität wollen wir Frauen direkt auf neue Möglichkeiten ansprechen.“

Schneider fügt außerdem hinzu: „Für uns steht weniger das Geschlecht im Vordergrund als die Qualifikation einer Person. Derartige Attribute sollten in einer modernen Gesellschaft eigentlich egal sein.“ Trotz des passenden Arbeitsumfelds – warum sind dennoch weniger Frauen in dieser Branche zu finden?

Herausforderungen überwinden, Selbstzweifel nehmen

„Ich denke, es liegt an kulturellen Aspekten wie stereotypen Geschlechterbildern, der Art und Weise, wie die Ausbildung strukturiert ist, und es gibt weniger weibliche Vorbilder in diesen Sektoren. Auch das Image dieser Sektoren als Männerwelt kann Frauen abschrecken“, sagt Duijmelings. Sie greift damit Schneiders Argumentation auf: Wie modern ist unsere heutige Gesellschaft?

Dass es nur wenige Frauen in dieser Branche gibt, liegt nicht daran, dass sie von Männern ausgeschlossen werden, wie Nancy Castañeda, Projektmanagerin für Spanien und Kristina Voosholz, Akquisition und Einkauf, aus eigener Erfahrung wissen. „Natürlich kam schon mal der Spruch ‚Kennen Sie sich überhaupt mit Maschinen aus?‘, aber da muss man drüberstehen und den Gesprächspartner charmant eines Besseren belehren“, so Voosholz zu ihrer Erfahrung im Gebrauchtmaschinenhandel.

Sie hat durch ihre langjährige Expertise im Business genug Selbstbewusstsein, um auch einmal skeptischen Geschäftspartnern gegenüberzutreten. Und genauso sieht es auch Nancy Castañeda: „Manchmal hatte ich das Gefühl, dass ich nicht am richtigen Platz bin, weil ich nur von Männern umgeben war, aber ich war mir sicher, dass meine Arbeit gut genug ist und ich an mich glaube.“

Skeptiker konnte sie schnell überzeugen und hat heute viele sehr gute Beziehungen zu ihren Geschäftspartnern. Grundsätzliche Ablehnung haben beide Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn bisher nicht erlebt.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Eine Managementaufgabe

Die Verbindung von Familie und ihrer Rolle als Geschäftsführerin ist nicht immer eine leichte, doch für Duijmelings kein Hindernis. „Es ist wichtig flexibel zu sein. Ich mache mir keinen Stress, wenn unvorhergesehene Umstände eintreten. Verantwortung zu übernehmen, bedeutet auch, Prioritäten zu setzen.“ Und auch wenn ihre Kinder immer an Platz 1 stehen werden, so ist es ihr wichtig ihnen vorzuleben, dass es wichtig ist, unabhängig zu sein und sich selbst verwirklichen zu können.

Auch Castañeda teilt ähnliche Herausforderungen zwischen Beruf und Familie. Als Mutter findet sie die Zeit abseits der Familie am schwierigsten, eine Erfahrung, die sie mit ihren männlichen Kollegen teilt. „Die Wahrheit ist aber auch, dass ich die Unterstützung meines Mannes habe.“

Flexibilität ist also das Wichtigste für Mütter – nicht nur in technischen Berufen.

Diversität als Schlüssel zum Erfolg

Frauen bringen eine neue Perspektive in den Markt. Studien zeigen, dass Teams mit einer Mischung aus verschiedenen Kulturen, Geschlechtern und Altersgruppen am erfolgreichsten sind. Es klingt wie ein Klischee: Besonders eine ausgeglichene Geschlechterverteilung führt zu besseren Entscheidungen, weil sie die extreme Risikobereitschaft der Männer und die übermäßige Vorsicht der Frauen ausgleicht. Am wichtigsten ist es also, dass Frauen Mut gemacht wird, sich auch in technische Branchen zu trauen.

Für alle Frauen, die überlegen, ob sie für den Maschinenmarkt gemacht sind oder ob sie sich lieber für eine andere Karriere entscheiden sollen, hat Ghislaine Duijmelings einen Tipp: „Mein Rat an andere Frauen: Ihr seid genau richtig, so wie ihr seid. Nehmt einfach eure Position als Frau ein! Lass dich nicht von dem einschüchtern, was du nicht weißt.“

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