Verliert die deutsche Fischindustrie an Wettbewerbsfähigkeit?

Bisherige Aquakultur (über cozmo news)
Bisherige Aquakultur (über cozmo news)

Sinkende Fischbestände, die durch konsequente Überfischung und Beifänge sowie Umweltverschmutzungen weiter belastet werden, gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fischindustrie. Hinzu kommt, dass sowohl Meerestiere als auch die menschliche Gesundheit stark durch Mikroplastik und Schwermetalle belastet werden.

Eine Lösung für diese Probleme sollte ursprünglich die konventionelle marine Aquakultur liefern. Entgegen den Erwartungen brachte diese allerdings durch ihren dichten Besatz und den Einsatz von Antibiotika neue Probleme mit sich. Hierzu zählen unter anderem Antibiotikaresistenzen, die gleichermaßen Menschen und Tiere betreffen, aber auch die Zerstörung diverser Ökosysteme.

Damit auch zukünftig leckere Fischgerichte auf den Tellern von deutschen Genießern landen können, muss ein Umdenken innerhalb der deutschen Fischindustrie stattfinden und entsprechende zukunftsweisende Lösungen umgesetzt werden.

Darum benötigen Menschen ein vielfältiges Fischangebot

Aufgrund seiner gesundheitlichen Vorteile und der deutlich geringeren Auswirkungen auf die Umwelt wird Fisch häufig als Alternative zu Fleischgerichten empfohlen. Der Verzehr von Fisch kann zu einer ausgewogenen Gesundheit beitragen, da dieser sowohl viele hochwertige Proteine, Vitamine und Mineralstoffe als auch essenzielle Omega-3-Fettsäuren enthält. Hinzu kommt, dass die Fischerei und Aquakultur einen geringeren CO2-Fußabdruck aufweisen und weniger Ressourcen wie Land und Süßwasser benötigen als die Fleischproduktion, insbesondere aus Massentierhaltung.

Die mit der Massentierhaltung einhergehenden negativen Folgen für die Umwelt sind hinreichend bekannt: Hoher Verbrauch von Futter und Wasser, Belastungen von Böden und Gewässern durch die entstehende Gülle oder aber die Freisetzung von Treibhausgasen. Durch den Verzehr von Fisch können diese Auswirkungen eingedämmt werden.

Vor diesen Herausforderungen steht die deutsche Fischindustrie

Trotz der positiven Effekte auf Mensch und Umwelt steht die Fischerei vor großen Herausforderungen. Durch Überfischung sind die Bestände vieler Fischarten stark bedroht: Eine Erschöpfung der Fischbestände würde die Biodiversität der Meere maßgeblich negativ beeinträchtigen. Damit einher geht, dass der Wegfall der Artenvielfalt auch die Lebensgrundlage von Millionen Menschen gefährden würde, die ihr Einkommen und ihre Nahrung aus dem Fischfang beziehen. Somit bringt die Überfischung ökologische, ökonomische und auch soziale Folgen mit sich.

Aber auch der Ansatz von Lachszüchtern aus Norwegen und Chile, die eine Fischzucht in schwimmenden Netzgehegen praktizieren, bietet keine adäquate ökologische Alternative. Zum einen fallen Verschmutzungen, die durch Futterreste und Exkremente entstehen, und der Einsatz von Chemikalien und Antibiotika negativ ins Gewicht.

Zum anderen können sich Krankheiten und Parasiten auf wildlebende Fischbestände ausbreiten oder aus Netzgehegen entkommene Zuchtfische zu einer Bedrohung einheimischer Arten führen. Daher werden solche Zuchtmethoden zunehmend verboten, wie beispielsweise in Dänemark oder Kanada.

Indoor-Kreislaufanlagen bieten zahlreiche Vorteile

Die Aufzucht in Indoor-Kreislaufanlagen wird laut Experten bereits in zwanzig Jahren die einzige Möglichkeit sein, neuen frischen Fisch zu gewinnen. Dabei werden die Fische unter kontrollierten Bedingungen in großen Tanks herangezüchtet. Gleichzeitig ist der Einsatz von Antibiotika und Chemikalien ausgeschlossen, da diese den integrierten Bioreaktor schädigen würden.

Mit Hilfe dieser Technologie können die Umweltauswirkungen der Fischzucht verringert und die Aufzucht neuer Schwärme effizienter und gesünder erfolgen. Dies liegt auch daran, dass das Risiko entstehender Krankheiten und Parasiten, die häufig in offenen Systemen entstehen, deutlich reduziert wird. Die Indoor-Kreislaufanlagen zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie das verwendete Wasser reinigen und erneut verwenden, wodurch sie ihren Wasserverbrauch minimieren. So müssen weniger Abwässer in die Umwelt abgeleitet werden.

Daher unterstützt die Europäische Union die Entwicklung und Implementierung von Indoor-Kreislaufanlagen bereits durch finanzielle Förderungen und erkennt damit das Potenzial dieser Technologie für die Aquakultur an. Die EU legt großen Wert auf die Förderung nachhaltiger und innovativer Aquakulturmethoden, was sie durch die Bereitstellung mehrerer Millionen Euro an Fördermitteln deutlich macht, die in die Errichtung neuer Anlagen investiert werden.

Damit werden diese Indoor-Kreislaufanlagen zu einem wichtigen und zukunftsweisenden Bestandteil der „EU Strategic Guidelines for a more sustainable and competitive EU aquaculture for the period 2021 to 2030“, deren Ziel eine Stärkung der europäischen Aquakultur ist.

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